Kommentar zum Bürgerentscheid Bibelturm

von Ingrid Pannhorst

Die Stellungnahmen der Ampelfraktionen und der CDU lassen darauf schließen, dass ihnen die Bedeutung dieser Ohrfeige noch nicht ins Bewusstsein gerückt ist. Selbst auf lokaler Ebene, wo viele sich persönlich kennen, leben aktive Politiker offensichtlich in einer anderen Welt als ihre Bürger. Wenn die Fraktionssprecher von Ampel und CDU immer noch glauben, man hätte nur mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen um fast 50. 000 Banausen den "richtigen" Weg zu weisen, kann man das nur noch als Wirklichkeitsverweigerung bezeichnen. Sie sind in der absoluten Minderheit und haben das noch nicht begriffen! Man kann doch nicht im Ernst glauben, man könne einen Teil des Liebfrauenplatzes in eine spacige Betonwüste verwandeln ohne dass sich das (überregional so beliebte) Mainzer Naturell dagegen auflehnt? Als die Befürworter ihre Chancen schwinden sahen, beantworteten sie die Frage nach der Freiraumgestaltung, die dem Museumsentwurf eigentlich hätte vorausgehen müssen, hektisch mit einem angepappten Blumenbeet vor dem Bunker und dem Versprechen mehr Sitzbänke aufzustellen. Geht´s noch? Das verstehen die Verantwortlichen dann unter kreativer und visionärer Stadtgestaltung.

Wie gestaltet man den Freiraum einer Museumslandschaft, um dort Lust zum Verweilen zu wecken? Eine solche Frage stellen sich die Selbstdarsteller unter den heutigen Planern offensichtlich nicht mehr. Aufenthaltsqualität ist eine der zentralen Aufgaben, die mit den Herausforderungen der Klimawandelfolgen eine weitere wichtige Bedeutung gewinnt. Die Erbauer des Gutenbergmuseums haben mit dem Innenhof Strukturen geschaffen, auf denen man das Museum weiterentwickeln sollte. Die Bürger der Stadt wissen sehr wohl, was sie dort wünschen und brauchen, besser als mancher auswärtige Politiker. Deshalb muss man sie zuerst zu Wort kommen lassen.

Bei alledem vergessen die Turmliebhaber, nicht aber die Mehrheit der Bürger, wie oft schon Politiker in der Vergangenheit ihren Bürgern Sand in die Augen streuen wollten. Wie Politiker, Stararchitekten und allseits bekannte Investoren im Brustton der Überzeugung "ihre" jeweiligen Projekte (Markthäuser, Luxusrestaurant auf dem Theater, usw.) angepriesen und als "alternativlos" durchgeboxt haben. Damals gab es weder eine BI noch ein Bürgerentscheid. Dafür stand 2009 die Wohnbau mit über 800 Mio € Schulden vor der Pleite. Das damals schon hoch verschuldete Mainz bürgte mit 300 Mio €. Heute stehen wir mit über 1,2 Mrd € Schulden unter Finanzaufsicht, sind kaum in der Lage, unseren sozialen Aufgaben gerecht zu werden.

Aus dieser Warte sollten Ampel und CDU ganz kleinlaut werden.


Zurück

Die ÖDP Mainz-Stadt verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen