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Stellungnahme der BI Ludwigsstraße zum Siegerentwurf der Auslobung der Boulevard Lu GmbH & Co. KG

Der prämierte Wettbewerbsbeitrag passt in diese Zeit und wird vielleicht später einmal als typisches Zeitzeugnis zum Baudenkmal erklärt werden, wenn er dann nicht bereits als Investitionsruine abgerissen wurde; wirtschaftlich gescheitert, weil für andere Nutzungen ungeeignet.

Mit Dom, Theater am einen und dem Ensemble Osteiner Hof am anderen Ende, steht der Ludwigsstraße eher die zurückhaltende Rolle der ruhigen Hintergrundfassung zu. Das hatten die Stadtplaner im Sinn, als sie die immer noch moderne (nicht modische) Pavillonstruktur entwarfen. Und diese Bebauung entsprach auch einem Bedürfnis, nach dem Kriege an dieser Stelle Licht, Luft und Raum in der innerstädtischen Enge zu gewinnen und die Menschen zum Flanieren einzuladen.

Unsere Baudenkmäler wurden so wegen ihrer kulturellen und historischen Bedeutung als dominant im Stadtbild respektiert. Als Stifter einer lokalen Identität werden sie von den Menschen als ‚Alleinstellungsmerkmale‘ für Mainz erlebt. Sie müssen daher ‚bestimmend‘ sein und bleiben. Nicht zuletzt für die Touristen, die deshalb nach Mainz kommen.

Zwischen sie drängen sich nun massige, Dom-Rot angestrichene Betonkuben, deren buchstäblich schräge Gestalten aus Trichtern zu rufen scheinen: „Schaut her, hier spielt die Musik“. Und: „LU erleben“, „Vielfältig shoppen“ oder „Easy Shopping in Mainz“ (Internetseite von ‚Boulevard LU‘).

Auf eine entwaffnend ehrliche Weise wird hier die Geschichte unserer Stadt symbolhaft fortgeschrieben: Wir steuern bereits seit längerem in eine überdrehte ‚Eventkultur‘, eine ‚Pop-Up-Halle‘ trifft diesen Zeitgeist. Symbolhaft auch, weil damit die Folgen des weitgehenden Rückzugs der Stadt aus der Planung ihres Zentrums anschaulich werden.

Wo finden sich in dem Entwurf Durchwegungen, Kleinteiligkeit, Mischnutzung, die Öffnung zur umgebenden Altstadt. Und alles ‚in der Mainzer baukulturellen Tradition‘. Ach, und ‚Wohnen‘ würde zum Wohnen in einem Luxus-Dom-Hotel. Mainz soll fortan auf den Dächern eines Einkaufszentrums leben, statt auf seinen Plätzen. Die Bürgerbeteiligung wurde geschickt ausgehebelt. Die lokale Demokratie erodiert immer weiter.

Die BI fordert, den Stadtratsbeschluss vom 1. Juli bis in den Herbst aufzuschieben. Bereits in den nächsten Wochen soll entschieden werden, ob überhaupt eines der Häuser Kaufhof und Karstadt weiter existieren wird. Und würden die überlebenden Einzelhandelsketten vom Brand oder der Römerpassage an die Ludwigsstraße umziehen? Es verschieben sich nur die hausgemachten Probleme. Der Saldo ist Leerstand, irgendwo.

Die dramatische, kaum berechenbare Entwicklung in Einzelhandel und Hotellerie würde jeden vorschnellen Schritt zur Umsetzung des Bauvorhabens zu einem politischen und planerischen Blindflug werden lassen. Die Stadt muss das Heft des Handelns wieder in ihre Hände nehmen. Wie soll Mainz sich überhaupt weiterentwickeln? Und: Auch Gemündens Projekt ist massiv von der Wirtschaftskrise betroffen und könnte zur Investitionsruine werden.

Bürgerinitiative Ludwigsstraße


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