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Antrag / Anfrage / Rede

Solaranlage auf dem Tribünendach des TSV Schott Mainz – nicht angeschlossen, dauerhaft nutzlos?

Anfrage zur Stadtratssitzung am 09.09.2026

Im Zuge des Neubaus der Tribüne im Stadion Mainz-Mombach (TSV Schott Mainz) hat die Stadt Mainz für rund 550.000 Euro zusätzlich auf dem Tribünendach eine Photovoltaikanlage installiert. Das Projekt sollte dabei ursprünglich als Referenzprojekt für weitere Sportvereine in ganz Rheinland-Pfalz dienen. Seit März 2025 wäre die Anlage technisch betriebsbereit und könnte nach Angaben der Stadt bis zu 55.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen.

Bis heute ist die Anlage jedoch nicht an das Stromnetz angeschlossen und erzeugt damit keinen auch nutzbaren Strom. Ursprünglich war geplant, den Anschluss über ein neu zu errichtendes Multifunktionsgebäude zu legen, welches jedoch (aus Gründen des späteren Abstiegs des TSV Schott Mainz) nie gebaut wurde. Eine Netzeinspeisung als Alternative wird von der Stadtverwaltung mit dem Hinweis auf Anschlusskosten von rund 82.000 Euro als „wirtschaftlich nicht sinnvoll" abgelehnt, obwohl dadurch eine Einspeisung nach Angaben der Stadt bis zu 5.000 Euro jährliche Einnahmen generieren könnte.

Die Satiresendung extra3 des NDR hat den Sachverhalt im Juli 2026 öffentlichkeitswirksam unter der Rubrik „Realer Irrsinn – nutzlose Solaranlage in Mainz" aufgegriffen.

Daher fragen wir an:

1. Wer hat die Entscheidung getroffen, die Photovoltaikanlage auf dem Tribünendach zu installieren, und welche Gremien waren in diese Entscheidung eingebunden?
2. Welche Gesamtkosten sind für die Photovoltaikanlage entstanden, jeweils getrennt ausgewiesen nach Planungs-, Bau- und Installationskosten? Wurden Fördermittel in Anspruch genommen, und wenn ja, in welcher Höhe und aus welchem Programm?
3. Aus welchem Grund wurde die Inbetriebnahme der Anlage an die Errichtung des Multifunktionsgebäudes gekoppelt, ohne eine alternative Einspeisemöglichkeit vertraglich oder planerisch abzusichern?
4. Zu welchem Zeitpunkt war der Verwaltung bekannt, dass das Multifunktionsgebäude nicht realisiert werden würde? Wann wurde der Stadtrat hierüber informiert?
5. Auf welcher Grundlage wurde die Netzeinspeisung als wirtschaftlich nicht sinnvoll eingestuft, wenn der Anschluss laut Stadtverwaltung rund 82.000 Euro kostet, dadurch aber jährliche Einnahmen von bis zu 5.000 Euro möglich wären? (Amortisationszeit von ca. 16 Jahren bei einer typischen Anlagenlebensdauer von 25–30 Jahren)
6. Welche konkreten Schritte plant die Verwaltung, um die Anlage doch noch in Betrieb zu nehmen, und bis wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?
7. Welche Konsequenzen zieht die Verwaltung aus diesem Vorgang für die Planung künftiger Photovoltaikprojekte an städtischen oder städtisch geförderten Einrichtungen?
8. War dem damaligen Finanz- und Sportdezernent Günter Beck, der auch als Redner des Stadtvorstandes auftrat, dieses Problem bereits am Tag der Einweihung bekannt? War ihm bekannt, dass die Solaranlage zu diesem Zeitpunkt noch nicht angeschlossen war? Trotzdem hatte er das Projekt als „gelungen“ bezeichnet. Wann war die Einweihung und wann war klar, dass das Multifunktionsgebäude nicht errichtet wird?

Dr. Claudius Moseler
Fraktionsvorsitzender

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