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Antrag / Anfrage / Rede

Trinkwassergewinnung aus Rheinuferfiltrat

Anfrage zur Stadtratssitzung am 25.03.2026

Aktuelle Recherchen vom „CORRECTIV“ zeigen, dass im Rhein tausende teils unbekannte chemische Stoffe nachweisbar sind, von denen viele aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht routinemäßig überwacht werden können und deren langfristige Auswirkungen auf Menschen und Umwelt unzureichend erforscht sind. Die Stoffe stammen unter anderem aus Industrie- und Haushaltsabwässern. 

Dabei gibt es nach aktuellem Vorschlag zur Wasserrahmenrichtlinie der EU-Kommission nur für 74 Stoffe Grenzwerte bei rund 30.000 Chemikalien, welche laut Schätzungen des Landesumweltamts Nordrhein-Westfalen im Rhein schwimmen. An Landesmessstellen wurden bereits mehrfach bislang nicht regulierte Substanzen festgestellt. In einzelnen Fällen mussten Behörden wegen erhöhter Konzentrationen unbekannter oder potenziell schädlicher Stoffe Warnungen aussprechen.

Gleichzeitig wird das Trinkwasser der Stadt Mainz zu einem wesentlichen Teil aus Rheinuferfiltrat gewonnen. Dieses Wasser versickert in Rheinnähe, wird über Brunnen aus 11-60 m Tiefe entnommen und von den Mainzer Stadtwerke sowie verbundenen Versorgern über mehrere Aufbereitungsstufen zu Trinkwasser aufbereitet. Auch hierbei können aus Kapazitäts- und Kostengründen nur ausgewählte Stoffe gezielt analysiert werden.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Kläranlage Mainz bereits mit dem Bau einer vierten Reinigungsstufe begonnen hat, unter anderem mit Unterstützung von Landesfördermitteln. An weiteren Standorten in Rheinland-Pfalz laufen Genehmigungs- oder Planungsverfahren für vergleichbare Ausbauschritte. Diese Maßnahmen dienen der Reduzierung von Mikroschadstoffen, können jedoch nicht alle Einträge vollständig verhindern, insbesondere nicht bei bislang unbekannten Stoffen.

Vor diesem Hintergrund bitten wir um Auskunft zur Krisenfestigkeit der Trinkwassergewinnung in Mainz.

Wir fragen daher an:

1.    Welcher Anteil des Mainzer Trinkwassers wird derzeit aus Rheinuferfiltrat gewonnen, und welche Bedeutung hat diese Quelle für die Versorgungssicherheit der Stadt?
2.    Welche Mess- und Überwachungsverfahren werden bei der Gewinnung und Aufbereitung von Rheinuferfiltrat eingesetzt, insbesondere im Hinblick auf nicht zielgerichtet überwachte („Non-Target“) oder bislang unbekannte Stoffe?
3.    Welche Alarm- und Krisenpläne bestehen für den Fall, dass im Rhein oder im Uferfiltrat erhöhte Konzentrationen unbekannter oder schädlicher Stoffe festgestellt werden?
4.    Gab es der Stadtverwaltung bekannte Fälle, in denen im Rhein oder im Rheinuferfiltrat im Bereich Mainz erhöhte Konzentrationen unbekannter oder schädlicher Stoffe festgestellt wurden? Wenn ja: Wie schnell konnte jeweils reagiert werden, welche Maßnahmen wurden ergriffen und welche Lehren wurden daraus gezogen? Wie schätzt die Verwaltung auf dieser Grundlage die eigene Handlungsfähigkeit hinsichtlich Reaktionsgeschwindigkeit, Zuständigkeiten und Entscheidungsprozessen ein, und wo sieht sie weiteren Verbesserungsbedarf?
5.    Wie schnell könnten die Stadtwerke im Ereignisfall auf alternative Wasserquellen oder Versorgungswege ausweichen, und in welchem Umfang stünden diese zur Verfügung?
6.    Wie ist die Informations- und Meldekette zwischen Landesmessstellen, Rheingütestationen, den Stadtwerken Mainz und der Stadtverwaltung organisiert, um bei Auffälligkeiten frühzeitig reagieren zu können?
7.    Welche zusätzlichen Maßnahmen zur Risikominimierung und Vorsorge prüft oder plant die Stadt Mainz gemeinsam mit den Stadtwerken, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Stoffvielfalt im Rhein und möglicher Krisenszenarien?

Dr. Claudius Moseler,
ÖDP-Fraktionsvorsitzender

 

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