Antrag / Anfrage / Rede
Wasserresilienz und Versorgungssicherheit in Mainz
Anfrage zur Stadtratssitzung am 09.09.2026
Hitze und Trockenheit nehmen in Deutschland und Europa zu. Im Frühjahr 2026 fielen deutschlandweit nur rund 68 Prozent des langjährigen Niederschlagsmittels. Die Mainzer Netze meldeten im Juni Rekordwerte beim Trinkwasserverbrauch; einzelne Brunnen des Wasserwerks Petersaue konnten wegen des niedrigen Rheinwasserstands nur zeitweise betrieben werden. Seit dem 27. Juni 2026 ist zudem die Wasserentnahme aus Gewässern dritter Ordnung im Mainzer Stadtgebiet untersagt.
Die Mainzer Klimaanpassungsstrategie sieht bereits ein Grundwassermanagement, einen Aktionsplan ‚Trockenheit und Dürre‘, eine mögliche Wasserampel, Regenwasserspeicherung und Öffentlichkeitsarbeit vor. Vorsorge, klare Prioritäten und ein sparsamer Umgang mit Trinkwasser müssen nun zügig konkretisiert werden.
Wir fragen daher an:
1. Wie bewertet die Stadt gemeinsam mit den Mainzer Netzen die aktuelle Versorgungslage, die verfügbaren Fördermengen und die Reserven bei anhaltender Trockenheit?
2. Welche Szenarien bestehen für weiter sinkende Grundwasser- und Rheinwasserstände, hohe Verbrauchsspitzen oder den gleichzeitigen Ausfall wichtiger Anlagen?
3. Wann wurden der bestehende Notfallplan Wasser zuletzt aktualisiert und praktisch erprobt, und bis wann liegt der angekündigte Aktionsplan ‚Trockenheit und Dürre‘ vor?
4. Welche messbaren Schwellenwerte lösen Warnungen und Maßnahmen aus, und wird eine öffentlich einsehbare Mainzer Wasserampel eingeführt?
5. Wie werden Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwehr und andere kritische Einrichtungen in einer Mangellage abgesichert?
6. Wie hoch ist der jährliche Trinkwasserverbrauch der Stadt einschließlich ihrer Gesellschaften, und welche Liegenschaften sind die größten Verbraucher?
7. Welche verbindlichen Einsparziele setzt sich die Stadt, und wie werden Verbrauch und Fortschritt öffentlich nachvollziehbar gemacht?
8. Wo kann Trinkwasser bei Grünflächen, Friedhöfen, Sportanlagen und Reinigungsarbeiten durch Regenwasser oder anderes hygienisch geeignetes Betriebswasser ersetzt werden?
9. Werden kommunale Gebäude in Zukunft flächendeckend mit intelligenten Wasserzählern, Leckagewarnungen, sparsamen Armaturen und bedarfsgesteuerter Bewässerung ausgestattet?
10. Wie viele Zisternen gibt es auf städtischen Grundstücken, welches Speichervolumen steht bereit, und für welche weiteren Standorte wurde das Potenzial geprüft?
11. Legt die Stadt ein mehrjähriges Zisternenprogramm für Schulen, Kitas, Sportanlagen, Friedhöfe, Betriebshöfe und Verwaltungsgebäude auf?
12. Wird das 2022 gestartete Förderprogramm für private Zisternen fortgeführt und auf Haushalte, Vereine, Kleingärten und Unternehmen ausgeweitet?
13. Wird geprüft, Zisternen, Versickerung und Regenrückhalt bei Neubauten, größeren Sanierungen und neuen Gewerbegebieten verbindlich vorzusehen, soweit dies rechtlich möglich ist?
14. Welche Entsiegelungen, Gründächer, Baumrigolen, Versickerungsmulden und Regenwasserspeicher sollen bis 2030 umgesetzt werden?
15. Wann startet eine zentrale Informationskampagne mit Wasserampel, aktuellen Verbrauchsdaten, Sparhinweisen und Beratung zu Zisternen, Regentonnen und klimaangepassten Gärten?
16. Legt die Stadt dem Stadtrat künftig jährlich einen öffentlichen Wasserresilienz-Bericht vor?
Dr. Claudius Moseler
Fraktionsvorsitzender