Pressemitteilung
Realer Irrsinn:
ÖDP fordert Aufklärung und Lösung zur nutzlosen Solaranlage am Schott-Stadion
Tribüne mit Solardach, Bild: Dr. Holger Schinke
Die ÖDP-Stadtratsfraktion Mainz fordert von der Stadtverwaltung vollständige Aufklärung über den Umgang mit der Photovoltaikanlage auf dem Tribünendach des TSV Schott Mainz in Mombach. Seit März 2025 ist die Anlage technisch betriebsbereit, erzeugt jedoch bis heute keinen Strom. Grund dafür ist, dass die Anlage bis heute nicht an das Stromnetz angeschlossen ist.
Die Anlage entstand im Zuge eines 550.000 Euro teuren Tribünendach-Neubaus, den die Stadt Mainz als Voraussetzung für den Regionalligabetrieb des TSV Schott finanziert hat. Die integrierte Photovoltaik wurde von der Verwaltung vollmundig als „zeitgemäß, nachhaltig, kostenreduzierend und sinnvoll" angepriesen und darüber hinaus vom damaligen Finanzdezernent Günter Beck sogar als Referenzprojekt für Sportvereine in ganz Rheinland-Pfalz ausgewiesen. Nun hat die Satiresendung extra3 des NDR den Fall unter ihrer Rubrik „Realer Irrsinn" bundesweit bekannt gemacht. „Zu Recht“, meint die ÖDP.
„Was hier passiert ist, ist ein klassisches Planungsversagen", sagt Dr. Claudius Moseler, ÖDP-Fraktionsvorsitzender „Man hat eine Solaranlage gebaut, ohne eine gesicherte Anschlusslösung zu haben. Als das geplante Multifunktionsgebäude wegfiel, hätte die Verwaltung sofort handeln müssen, stattdessen hat man die Anlage einfach liegen lassen", so Moseler weiter.
Besonders irritierend dabei ist nun, dass die Stadtverwaltung eine Einspeisung ins Netz als „wirtschaftlich nicht sinnvoll" ablehnt, obwohl die Anlage bis zu 5.000 Euro jährlich erwirtschaften könnte. Bei Anschlusskosten von 82.000 Euro ist das eine Amortisationszeit von rund 16 Jahren. Bei einer Anlagenlebensdauer von typischerweise 25 bis 30 Jahren wäre das nach Meinung der ÖDP eine durchaus vertretbare Investition.
„Wer eine Solaranlage baut, muss auch sicherstellen, dass sie funktioniert. Solange sie keinen Strom liefert, ist sie kein Referenzprojekt – jedenfalls nicht im Positiven –, sondern ein Mahnmal für mangelnde Planungssorgfalt", so das ÖDP-Stadtratsmitglied. „Der Verzicht auf mögliche Einnahmen und Klimaschutzleistung ist gegenüber den Mainzer Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern schlicht nicht zu rechtfertigen", ergänzt zudem Dr. Holger Schinke, wohnhaft in der Nähe des Stadions und Mitglied des Klimaschutzbeirates der Stadt Mainz.
Die ÖDP-Fraktion hat zur Stadtratssitzung eine formelle Anfrage eingebracht, mit der sie unter anderem die genauen Kosten der Anlage, die Entscheidungsgrundlagen und den konkreten Plan zur Inbetriebnahme klären will.
